Was haben Bleistifte, Häkeln und ein Gorilla miteinander zu tun ?
Um das herauszufinden, musste man den Vortrag von Michael Fritz, Geschäftsführer des Transferzentrums für Neurowissenschaften „Wie lernen gelingen kann“ besuchen, zu dem das Bündnis für Familie Ulm geladen hatte.
Zwei spitze Bleistifte, Vorwissen über das Handarbeiten und ein Gorilla, der durch eine Gruppe basketballspielender Jugendlicher läuft, waren Bestandteile von Experimenten, durch die die Zuhörer einbezogen und aktiviert wurden und so selbst erfahren konnten, welche Faktoren zu erfolgreichem Lernen beitragen. So erreichte es der Referent mehr als 80 Interessierte über zwei Stunden zum Thema „Wie lernen gelingen kann“ zu fesseln. Zu Beginn des Vortrages erklärt Herr Fritz, der ausgebildeter Grund- und Hauptschullehrer ist und seit mehr als fünf Jahren am Transferzentrum tätig ist, wichtige Erkenntnisse zur Funktionsweise des Gehirns. Zuerst einmal ist Lernen ein sehr individueller Prozess, da das Vorwissen und die Vorerfahrungen der einzelnen Personen sehr unterschiedlich sind. Beispielsweise können die Fähigkeiten von Erstklässlern schon zum Zeitpunkt der Einschulung enorm differieren. Während die einen bei Schuleintritt fließend Texte lesen können, haben andere Mühe, die Laute von Buchstaben zu erkennen und zuzuordnen. Eine Lerngruppe ist heterogen sobald mehr als ein Schüler da ist, so Michael Fritz. Diese Grundvoraussetzung muss bei der Zusammenstellung von Lernumgebungen unbedingt Beachtung finden. Wichtig ist auch, dass das Thema für den Lernenden eine hohe Bedeutsamkeit hat, denn dann steigt auch der Aktivierungsgrad, also seine innere Beteiligung, was zu besserem Lernerfolg führt.
Ein anderer entscheidender Faktor ist die Verarbeitungstiefe. Beim Lernen über mehrere Sinneskanäle, z.B. wenn gleichzeitig Bilder gezeigt und gesprochen wird ist der Lernerfolg viel höher als beim reinen Zuhören. Besonders gut prägen sich Sachverhalte ein, wenn man sie selbst anderen erklärt.
Ein große Rolle beim Lernen spielen auch die Emotionen. Es hat sich gezeigt, dass Wörter besser behalten werden, wenn sie positiv besetzt sind. Wenn bestimmte Fragestellungen mit schlechten Erinnerungen verbunden sind, tauchen diese negativen Gefühle wieder auf, sobald das Thema angesprochen wird, und behindern ein erfolgreiches Lernen. In diesem Zusammenhang spielt natürlich auch die Beziehung zwischen dem Schüler und Lehrer eine Rolle. Kommt ein Lehrer gut gelaunt und mit einem Lächeln in ein Klassenzimmer, erzeugt das natürlich eine ganz andere Wirkung, als wenn er mit mürrischem Gesichtsausdruck herein tritt und jeder Schüler sich fragt, was er vielleicht falsch gemacht hat oder was im heute bevorsteht. Eine besondere Bedeutung misst der Referent auch Erfolgserlebnissen bei. Nur wenn der Schüler nicht permanent überfordert wird, sondern immer wieder Aufgaben bekommt, die leicht über seinem Fähigkeitsniveau liegen, kann ein Erfolg erlebt werden. Dieses Gefühl „ich kann es“ wird dazu motivieren, weitere Aufgaben anzugehen. Ziel von Schule so Herr Fritz sollte es sein, dem Schüler möglichst häufig das Gefühl zu geben, „wenn ich mich anstrenge, kann ich etwas erreichen“, denn nur dann wird der junge Mensch auch zukünftige Aufgaben engagiert und motiviert angehen. Zurück